Der Holzschneider mit seinem Messer ist, wie der Bauer mit seinem Pflug, der Gärtner mit dem Spaten, der Metzger mit dem Beil, bei seinem Tun vom Gesetz des Handwerks geschützt. Dies Gesetz läßt kein uferloses, unverantwortliches Abenteuern zu, es ist ein Korrektiv der Natur.

 

HAP Grieshaber

 

Malerei und Holzschnitt beeinflussen sich wechselseitig. Im Holzschnitt suche ich den Widerstand des Materials; im Holz finde ich - im Vergleich zur Malerei - eine noch größere körperliche Auseinandersetzung mit der Materie. Eine Technik übrigens, die sehr zur Konzentration zwingt - allein schon aus Gründen der Sicherheit. Mein wichtigstes Werkzeug ist ein handelsübliches Teppichmesser. Die Holzplatten werden, bevor die Schneidearbeit beginnt – dem Entwurf entsprechend – mit Farbe versehen. Dem entsprechend sind die meisten meiner Holzschnitte mehrfarbige Handabzüge. Etliche bestehen aus vier oder mehr übereinander gedruckten, getrennt und individuell eingefärbten Platten. Es gibt also nicht mehr nur ein traditionelles schwarz oder weiß in meinen Holzschnitten, die meisten meiner Arbeiten sind komplexer. Wenn eine Holzplatte geschnitten ist, ist eine Korrektur nicht mehr möglich; was herausgeschnitten ist, lässt sich nicht ergänzen.

Für mich ist der Holzschnitt, gerade im sogenannten Digitalen Zeitalter, auf Grund seiner archaischen Formensprache ein faszinierendes Medium. Der Kontrast zu den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten heutiger technisch unterstützter bildnerischer Verfahren macht das Besondere dieses Druckverfahrens aus. Das Schneiden ins Holz, einmal abgesehen von der großen körperlichen Kraftaufwendung, verlangt geradezu nach einer vereinfachenden bildnerischen Sprache; aber gerade diese vergröbernde, letztlich Reduktion, Verdichtung und Konzentration auf das Wesentliche verlangende Vorgehensweise macht den Reiz des Verfahrens aus. Das Drucken selbst ist und bleibt – um den vielleicht größten Holschneider des zwanzigsten Jahrhunderts, HAP Grieshaber zu zitieren – ein Abenteuer.. sein Ausgang ist manchmal ungewiss.. und somit spannend in unserem stets nach Sicherheit strebenden Zeitalter.

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